Zieglerverein Leese

Der Zieglerverein Leese wurde im Jahre 1897 gegründet. Aufzeichnungen gibt es aus dieser Zeit leider nicht sehr viele. Das Protokollbuch wird seit 1902 geführt, hierin ist aber nur das Nötigste aus den jährlichen Versammlungen aufgeschrieben. Der Verein wurde gegründet, um die wirtschaftliche Lage der Ziegler zu fördern und Unglücksfälle finanziell aufzufangen. Auch nach der Einführung der gesetzlichen Sozialversicherung und der staatlichen Gewerbeaufsicht war dies durchaus sinnvoll, da der Umfang ihrer Leistungen keineswegs mit den heutigen vergleichbar war. Die Arbeit auf der Ziegelei war nicht nur körperlich extrem anstrengend, sondern auch unfallträchtig. Doch wohl schon damals wie heute stand auch die Geselligkeit im Vordergrund. So fanden im Winter monatliche Zusammenkünfte der Ziegler im Vereinslokal und meist auch die Zieglerfeste statt. Auch die jährliche Hauptversammlung fand im Januar statt. Dies ist im Übrigen auch heute noch so.

Zum Zeitpunkt der Gründung lag der große Aufschwung des lippischen Ziegler-Wandergewerbes, der seinen Höhepunkt um die Jahrhundertwende hatte, schon Jahrzehnte zurück. Ursachen für die Wanderarbeit waren der Niedergang des Leinengewerbes, der viele Familien um ihr Einkommen brachte, eine steigende Bevölkerungszahl, unzureichende Erträge in der Landwirtschaft, und sicher auch fehlende Arbeitsplätze in Lippe. Die damalige Bedeutung des Zieglerwesens und damit auch des Zieglervereins Leese zeigt der hohe Anteil an der Erwerbsbevölkerung: um die Jahrhundertwende betrug der Anteil der Ziegler knapp die Hälfte der Erwerbspersonen mit eigenem Haushalt (46 von insgesamt 98 Personen), im Jahre 1926 waren es noch 32 % (42 von 132 Personen), und im Jahre 1962? Da waren es gerade mal 2 Personen, die in Leese als Ziegler gemeldet waren.[1]

Im Jahre 1906 wurde die Vereinsfahne für 150 Mark gekauft. Für damalige Verhältnisse ein stolzer Preis! Die beiden Aufschriften „Ohne Fleiß kein Preis“ und „Arbeit und Fleiß ziert Jüngling und Greis“ deuten darauf hin, dass der Verein keine politischen Absichten verfolgte. Die Beschaffung einer Vereinesfahne, unter der sich die Mitglieder versammeln konnten, war nicht nur für Zieglervereine zu damaliger Zeit ein absolutes Muss. Heute haben viele Vereine keine Fahne mehr, gleichwohl legen sie wie damals auf ein unverwechselbares Erkennungsbild Wert, nur in anderer Form. Die Fahne ist bis heute im Originalzustand erhalten. Auch die Wirren der letzten Kriegstage 1945 hat sie unbeschadet überstanden, da sie vom damaligen Vorsitzenden im Wald versteckt worden war.

Wie alle Zieglervereine tragen die Mitglieder bei offiziellen Vereinsanlässen wohl seit Anbeginn des Vereins eine Vereinsmütze. In Leese hat sie die Form einer Dienstmütze mit schwarzem Schirm, ist ansonsten braun mit rotem Band, hat eine goldfarbene Rosette und eine schwarze oder silberne Kordel.

Viele Jahrzehnte waren keine Frauen Mitglieder im Verein. Erst im Jahre 1981 wurden Frauen in den Verein aufgenommen, der heute rd. 150 Mitglieder zählt. Die Vereinsfeste werden nicht mehr jährlich, sondern schon seit 1962 alle 5 Jahre gefeiert, und sind immer ein besonderer Höhepunkt der Vereinsaktivitäten und auch im ganzen Dorf. Viele Zugezogene zeigen heute Interesse am Dorfleben und auch am Zieglerverein Leese, der äußerst günstige Vereinsbeitrag von 10 € jährlich (!) steht dem sicher nicht im Wege. Vereinsaktivitäten finden über das Jahr verteilt statt, z.B. die Teilnahme an den Festen der anderen Zieglervereine, Vereinsfahrten mit dem Bus zu verschiedenen Zielen mit immer reger Beteiligung sowie ebenfalls immer gut besuchte Vereinswanderungen.

Die Führung des Vereins war immer von großer personeller Kontinuität geprägt. Erst fünf vier Vereinsvorsitzende hatte der Verein seit dem Kriege:

1933 - 1969         Heinrich Fritzensmeier

1969 - 1975         August Göhner, ehem. Bürgermeister von Leese

1975 - 2001         Ernst Wentker

2001 - 2015         Friedrich-Wilhelm Niederschäfer

seit 2015              Rainer Grabbe



[1] lt. Günter Rhiemeier, Leese, aus der Geschichte eines lippischen Dorfes, Lemgo 2002

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„Ohne Fleiß kein Preis“ und „Arbeit und Fleiß ziert Jüngling und Greis“ Normal 0 21 false false false DE X-NONE X-NONE

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